Meine Fotoausrüstung
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Mein fotografisches Equipment für Nahaufnahmen und Makrofotografie

Makrofotografie ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Ich betreibe sie schon seit mehreren Dekaden und es wird immer einfacher mit jedem Entwicklungssprung in meiner Ausrüstung. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, welche Berechnungen da früher notwendig waren: Belichtungsmessung, Abstands-, Auszugs- oder Abbildungsmaßstabsbestimmungen, Verlängerungsfaktor, Balgengeräte oder Zwischenringe ohne Blendenübertragung, etc. etc. (...So hat bis zum Ende der 80iger-Jahre mein Rechenschieber zur Belichtungsberechnung ausgesehen).

Erst die TTL-Blitzlichtmessung an meiner Contax 167 im Zusammenspiel mit dem Cullmann-Blitz und dem Vivitar-Makrokonverter brachte da die große Vereinfachung. Heutzutage brauche ich mich "nur" mehr um die Scharfstellung, die Bildgestaltung und das Nicht-Verjagen meiner Models kümmern; die periphere Technik erledigt sich meist automatisch (zumindest nach mehreren Tests).

Für die Makrofotografie verwende ich meist meine Olympus E-330 mit verschiedenen Objektivkombinationen und Sucheranpassungen in Abhängigkeit vom Einsatzzweck:

pic of e300+macro 2/50

Mein Lieblings-Makroobjektiv ist das ausgezeichnete, hochauflösende Zuiko ED 2.0/50 mm. Der rechnerische Abbildungsmaßstab ist 1:2 (bezogen auf die Sensordiagonale), der Aufnahmeabstand (gemessen von der Sensorebene) ist 22 cm, der Abstand zwischen Frontlinse und Objekt ist 8 cm. Die minimale Objektbreite ist ca. 36 mm.

[Beispielfoto: 36 mm Breite].

In der Digitalfotografie finde ich, dass die Angabe von Abbildungsmaßstäben (wie 1:2) ohne Aussage ist, da sie nämlich immer von der Film- oder Sensorgröße abhängen. In den guten alten Silberfilmzeiten war das "Maß aller Dinge" die 24x36 mm-Kleinbildkamera (beim Mittelformat 4.5x6, 6x6 oder 6x7 war es natürlich wieder ganz anders, aber wer hatte schon eine Mamiya, Rollei, Hasselblad oder Pentax...), daher wird es auch heutzutage noch von manchen Leuten (dieselben, die zum Kleinbild heute FF = "Vollformat" sagen und dann nur von Cropfaktoren sprechen) noch immer auf dieses bezogen (eine 6x6-Hasselblad hätte nach dieser Denkweise einen "Cropfaktor" von 0.6...).
Wenn ich aber ein 36 mm langes Insekt formatfüllend ablichte ...
1. Auf dem Sensor einer FT-Kamera mit einer Sensorlänge von 17.3 mm: dann ist es im Verhältnis 1:2 abgebildet (17.3 mm lang).
2. Auf einem 24x26 mm-Kleinbilddia oder dem Sensor einer "FF"-Digitalkamera: hier ist es im Verhältnis 1:1 abgebildet (36 mm lang).
3. auf einem 6x7 Rollfilm: jetzt ist es im Verhältnis 2:1 abgebildet (70 mm lang).
4. auf dem Sensor einer Kompaktkamera, wo man nicht einmal weiss, wie groß der Sensor ist (wen kümmert es auch?): hier ist es im Verhältnis XXX:YYY abgebildet.

Wenn man jetzt von allen 4-5 "Originalen" einen vollformatigen Ausdruck macht (z.B. auf 18x24 cm), oder als Dia bzw. über den Videobeamer auf die gleiche Seitenlänge projiziert (z.B. auf 1 m Breite), so hat man immer ein gleich großes Insektenbild vor Augen: 24 cm auf dem Ausdruck, 1 m auf der Projektionsleinwand.
Daher ist es IMHO sinnlos, bei soviel unterschiedlichen Sensorgrößen eine so relative Zahl wie den Abbildungsmaßstab (ohne gleichzeitige Angabe der Sensorgröße) anzugeben. Es ist wesentlich aussagekräftiger, die minimal abgebildete Objektbreite eines Makroequipments anzugeben!

pic of e300+macro 2/50

Für einen größeren Aufnahmeabstand (ca. 12 cm zwischen Frontlinse und Objekt) bei gleicher Objektbreite (35 mm) oder stärkerer Vergrößerung (Objektbreite ca. 24 mm) kombiniere ich das 2.0/50-Makroobjektiv mit dem ausgezeichneten Zuiko Telekonverter EC-14, der aus dem 50-mm-Makro ein 2.8/70 mm Makroobjektiv macht (umgerechnet auf 35-mm-Kleinbild enspricht es im Bildwinkel einem 2.8/140 mm Objektiv). Olympus empfiehlt, mindestens auf Blende 4 abzublenden. Da ich bei Makroaufnahmen sowieso immer auf Blende 11...16 abblende, um genügend Schärfentiefe zu erhalten, stellt das für mich kein Problem dar (eher umgekehrt: ab Bl. 16 fangen die Beugungserscheinungen an, das Bild zu verschlechtern).

[Beispielbild: 24 mm Bildbreite mit dem Makroobjektiv+Telekonverter].

Eine Objektbreite von ca. 18 mm (entspricht dem Abbildungsmaßstab 2:1 bei Kleinbild) erhalte ich, wenn ich an diese Kombination noch die achromatische Olympus Macro Conversion Linse (f= 40 cm) vorschraube.

[Beispielbild: 18 mm Bildbreite mit Makroobjektiv+Telekonverter+Makrolinse].

tele

Für sehr scheue Tierchen oder für entfernte Objekte (z.B. Blumen, an die ich nicht herankomme, oder Libellen, die zwar am Teichrand, aber schon über dem Wasser ihre Spielchen treiben), die ich mit meinem oben beschriebenen Equipment nicht erreichen kann oder verjage, verwende ich die achromatische Olympus Macro Conversion Linse (f= 40 cm) am Zuiko 4.0-5.6/70-300 Telezoom. Die Qualität ist nur wenig schlechter als mit dem 50-mm-Makroobjektiv. Mit allen Brennweiten ist die Distanz zwischen Frontlinse und Objekt ("working distance") jeweils ca. 22 cm, also etwa doppelt so weit wie mit der Makroobjektiv/Konverterkombination. Die besten Ergebnisse erzielt man mit 100 und 150 mm Brennweite (Objektbreiten 32 bzw. 23 mm), denn da kann man mit etwas Konzentration noch Freihand arbeiten. Die Abbildungsmaßstäbe entsprechen ziemlich genau denen, die man mit dem Makro ohne und mit Telekonverter erreicht.

Bei größeren Abbildungsmaßstäben (200 mm Brennweite: 16 mm Objektbreite) ist man meist bei Aussenaufnahmen (Insektenjagd etc.) auch mit dem Stativ zu wackelig unterwegs, und bei 300 mm Brennweite (12 mm Objektbreite) lassen Kontrast und Schärfe etwas nach.

Noch mehr "Working Distance" erreicht man mit dem Zuiko 4.0-5.6/70-300 Telezoom bei 300 mm ohne Makrolinse: hier kommt man bereits mit der Naheinstellung (ca. 90 cm) auf eine Objektbreite von ca. 35 mm, und Schärfe & Kontrast sind ausgezeichnet (Abstandstabelle); (Vergleich 50mm Makro : 70-300 Naheinstellungen)

[Beispielbild: Brennweite 100/150/200 mm/ mit Makrolinse]
[Beispielbild: Brennweite 150 mm mit Makrolinse/ Objektbreite 23 mm]
[Beispielbild: Brennweite 300 mm ohne Makrolinse/ Objektbreite 35 mm]

bellows

Bei noch kleineren Objekten (minimal ca. 7 mm Länge) arbeite ich mit meinem alten Praktika Balgengerät (das mit dem M42/FT Adapter der polnischen Firma Foto-Akcesoria an die Kamera angeflanscht ist. Als Objektiv dient entweder das sechslinsige Nikon 2.8/50 mm aus meinem alten Durst Vergrößerer, oder - mit besseren Ergebnissen - das Zeiss-Jena Tessar 2.8/50 meiner alten Praktika mit seinem vierlinsigen symmetrischen Linsenaufbau (und max. Blende 22). Eine kleine Unbequemlichkeit ist dabei das manuelle Schließen der Blende. Die ganze Kombination ist an einem Kaiser Reproständer aufgebaut.
Zum Auslösen ist eine Fernauslösung notwendig (oder als Notbehelf der Selbstauslöser). Die E-30 hat einen Anschluss für einen Kabel-Fernauslöser, und ich verwende hier eine Nachbau-Gerät, das tadellos funktioniert. Da die E-300 selbst keinen Anschluß für einen Kabelauslöser hat, verwende ich den Batteriehandgriff SHLD3, der einen Anschluss für den Kabelauslöser RM-CB1 hat (natürlich passt dieser nicht an die E-30 - das wäre ja zu einfach).
An der E-330 geht es nur mit dem Infrarotauslöser RM-1 (Schande über Olympus, dass dieses Teil nicht mit der Kamera mitgeliefert wird), denn hier hat Olympus unverständlicherweise keine Möglichkeit für eine Kabelfernauslösung vorgesehen.

Trotz Fensteuerung gab es manchmal verwackelte Aufnahmen - bedingt durch die Vibration durch den Spiegelschlag. Daher finde ich es notwendig, im Kameramenü die Spiegelvorauslösung einzustellen (ich habe sie auf 5 Sekunden gestellt). Es ist gut, dass Olympus diese professionelle Funktion eingebaut hat - viele andere DSLR's in dieser Preisklasse haben das leider nicht.

[Beispielbild: 7 mm Objektbreite, Nikon, Bl. 16]. [Beispielbild: 7 mm Objektbreite, Zeiss Tessar, Bl. 22].

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Um am Reproständer den Sucher benutzen zu können, ist ein Winkelsucher ein große Erleichterung. Ich verwende den exzellenten 45° IR-QA Angle Finder (in der Brillenträger-Version), der von Herrn Blaszczuk in Polen hergestellt wird (eine Beschreibung ist auf Wrotniaks Webseite zu finden. Dieser Winkelsucher hat einerseits den bequemen 45°-Einblick (das ist viel besser als die üblichen 90°-Winkelsucher) und auf der anderen Seite eine 1.7-fache Vergrößerung, mit der ganz präzise manuell scharfgestellt werden kann.

Ich verwende den Winkelsucher auch in anderen Fällen, wo manuelles Scharfstellen wichtig ist, weil nämlich die E-330 keine Fokussierhilfe im Sucher hat (wie z.B. eine einfache Mattscheibe). Mit dem IR-QA Angle Finder ist es recht einfach, die Doppellinie des Kreuzsensors durch Übereinstimmung mit dem Sucherbild als Scharfstellhilfe zu verwenden.
Eine andere Anwendung des Winkelsuchers bei meinen Fotoexperimenten ist dann gegeben, wenn ich kleine Blumen am Boden fotografiere, oder wenn ich mit dem 8-mm-Peleng-Fischaugenobjektiv in Bodennähe arbeite, um Gras oder Blumen als Vordergrund zu bekommen. Das ist mit dem Winkelsucher viel leichter, als bei meiner Fitness am Boden herumzukriechen.

[Beispielbild: Fischaugenfoto mit Vordergrund]

liveview e30liveview

Wenn die Scharfeinstellung noch genauer erfolgen muss, verwende ich den Liveview der E-330 oder E-30 im sog. "Modus B". Dann wird direkt auf den Sensor fokussiert, und man kann das Ergebnis noch mit einer 10-fach-Lupe überprüfen.

Dass der Monitor der E-330 nach oben oder unten klappbar ist, erleichtert die Bildkomposition und Scharfstellung ungemein. Die seitliche Schwenkbarkeit bei der E-30 erleichtert die Sachen nochmals. Der einzige Nachteil ist, dass im hellen Sonnenlicht der Monitor keine gute Betrachtung mehr zuläßt.

Auch im "Modus A" (über den 2. Sensor auf der Mattscheibe) ist der Liveview der E-330 gut brauchbar: Die Scharfeinstellung sollte man hier zwar dem Autofokus überlassen, dafür kann man aber auch in Situationen, wo man nicht mehr den optischen Sucher benutzen kann (Bodenaufnahmen, Aufnahmen aus unmöglichen Winkeln, zu großer Abstand), noch einwandfrei den Bildausschnitt festlegen (z.B. fotografiere ich manchmal mit ausgestreckten Armen, und versuche, das Bild am entfernten Monitor noch halbwegs zu komponieren).

Die E-30 ist hier nicht zu gebrauchen, weil durch die langsame Fokussierung das Objekt schon oft weg ist oder man den Ausschnitt verändert hat, bevor die Kamera auslöst.

[Beispielbild: Blumenwiese mit Nahaufnahme-Vordergrund]

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Für Tabletop Fotografie von kleinen Gegenständen arbeite ich mit einer adaptierten Version von Wrotniaks 7 $ Tabletop Studio (Meine Variante: IKEA-Kunststoff-Küchenladen-Einlage, mit einer weißen Lackspraydose von Baumax lackiert). Das Licht kommt entweder von einer 20-W-Ikea-Schreibtischlampe oder durch indirekte Blitze (der Olympus FL-50 mit einem Diffusor an der Kamera und der Metz 32-Z2 mit dem Adapter SCA 3083 seitlich mit Diffusor oder hinter einer Streuscheibe als Slave-Blitz). Für größere Gegenstände kommt ein Behelfsstudio aus Styroporplatten zum Einsatz.

Die Kamera wird auf einem Manfrotto 190 CL Stativ mit einem Manfrotto 222 Kugelkopf und einem zusätzlichen Makroschwenkarm von Velbon fixiert. Dieses Equipment erlaubt die Bewegung der Kamera in allen Raumrichtungen.

[Beispielbild: Puppe].

Makro-Blitzequipment im Telebereich:
Für Freihand-Outdoor-Makros von Blumen und Kleingetier arbeite ich meist ohne Stativ. Als Lichtspender verwende ich - wenn ich das 70-300-Tele als Makroobjektiv missbrauche - den Olympus FL-50 oder Olympus FL-36 in der links gezeigten Anordnung, oft auch im FP-Modus (Kurzzeitsynchronisation), damit der Lichteindruck am Bild natürlicher ausschaut.
In praktisch allen Fällen verwende ich einen Reflektor-Diffusor auf dem vertikal nach oben gerichteten Blitz, damit das Licht weicher abgestrahlt wird.

[Beispielbild: Tautropfen].

Makro-Blitzequipment mit dem Makroobjektiv:
Mit dem 50-mm-Makroobjektiv wird es - wenn ich die "Standard"-Blitze verwende, mit der Lichtführung schwierig, weil der Aufnahmeabstand nur mehr 8-12 cm zwischen Frontlinse und Objekt beträgt. Dadurch kommt es meist zu unschönen Schlagschatten. Für solche Aufnahmesituationen habe ich den Dörr-Combi-TTL-Flash, der einen Zangenblitz-ähnlichen Zusatzblitzkopf hat, mit dem man weitgehend schattenfreie Aufnahmen (oder mit kontrolliertem Schatten) herstellen kann. Man kann die 2 Blitzröhren getrennt schalten und den Blitzkopf am Objektiv frei drehen, sodass man die Lichtführung recht freizügig handhaben kann.

[Beispielbild: Vase mit 2 Blitzröhren]. [Beispielbild: Vase mit 1 Blitzröhre]. [Beispielbild mit Wickenblüte].

Scharfstellung: Bei den meisten Makro- und Nahaufnahmen verwende ich keinen Autofokus, weil ich mit der manuellen Einstellung viel schneller bin (entweder mit der 1.7-fachen Vergrößerung des IRQA-Winkelsuchers oder mit der 1.2-fachen Vergrößerung der Sucherlupe ME-1).
Das Makroobjektiv findet nämlich oft auf Anhieb den Fokus nicht, und dann dauert es endlos, bis es aus dem Unendlichbereich wieder zurückfährt.
Für Insektenjagd arbeite ich mit einem auf den gewünschten Abbildungsmaßstab vorfokussierten Objektiv, und variiere die Distanz zum Objekt durch Vor- und Zurückgehen, bis der Sucher ein scharfes Bild zeigt (ohne Suchervergrößerung ist das leider eine ziemliche Traumdeuterei, weil die Sucherschärfentiefe falsche Tatsachen vorspiegelt). Dabei vertraue ich trotzdem meist mehr auf die Schärfentiefe des Objektivs bei Blende 22, weil es praktisch unmöglich ist, die Kamera bei diesen Abbildungsmaßstäben zur Scharfstellung lang genug still zu halten.